25. November 2021

Fraunhofer und RWE etablieren einen neuen Standort, um Forschungsaktivitäten im Bereich der Geothermie durchzuführen. In einem ersten Schritt will das Forschungsteam mit einer Erkundungsbohrung geologische Erkenntnisse über die vorhandenen Untergrundschichten gewinnen.

Am Kraftwerk Weisweiler wurde Anfang November eine neue Forschungskooperation gestartet. Fraunhofer und RWE wollen hier die Tiefengeothermie weiterentwickeln. Unter Federführung der Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geothermie IEG erforschen die Projektpartner die Potenziale der Tiefengeothermie, um sie als Wärmequelle langfristig nutzbar zu machen. Sie verfolgen das Ziel, mit ihr als erneuerbar Energie konventionelle Wärmequellen in der Region zu ersetzen.

Neue Lösungen für die Gebäudewärme

Die Tiefengeothermie kann einen maßgeblichen Beitrag zur Energiewende leisten – insbesondere im Bereich der Wärmewende. Dazu ist sie jedoch noch nicht weit genug verbreitet. Deshalb will das Projektteam nicht nur die notwendige Technologie optimieren, sondern auch einen Beitrag für die Umwandlung eines bestehenden Standorts und den Strukturwandel leisten.

Der Tagebau Inden und das Braunkohlekraftwerk Weisweiler laufen 2029 aus. Mit dem Ende der Stromerzeugung wird dort eine alternative Fernwärmeversorgung benötigt. Denn mit dem Kohleausstieg in der Region entfällt die Abwärme der Kohlekraftwerke als Wärmequelle. Deshalb soll hier Fernwärme aus tiefem Thermalwasser zu einem neuen Baustein für die Energiewende werden. Die notwendige Infrastruktur zur Wärmeversorgung existiert bereits durch das Fernwärmenetz Aachen-Weisweiler. Mit Blick auf den Kohleausstieg könnte die Tiefengeothermie zukünftig erneuerbare Energie bereitstellen und Braunkohle als Energieträger ersetzen.

Nachhaltiger Beitrag zum Strukturwandel

Die Projektpartner wollen die Tiefengeothermie in großem Maßstab in die Anwendung überführen. Dazu sind noch wichtige Forschungsarbeiten notwendig. So müssen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zunächst die tiefen geologischen Schichten erkunden. Daneben müssen sie Fragen erörtern, die etwa Materialwissenschaften, Anlagenbau und die Integration in andere Standortstechnologien betreffen.

Weisweiler nimmt als Standort eine zentrale Position mit Blick auf die Forschungsaktivitäten ein: Hier sollen wesentliche Infrastrukturen entstehen, indem Geotechnologien in industrienahem Maßstab entwickelt werden. Das Rheinische Revier bietet für die Tiefengeothermie vielversprechende Möglichkeiten, denn aufgrund der Nähe zu den Aachener Thermalquellen erwarten die Projektpartner, in weiteren Gesteinsschichten heißes Thermalwasser vorzufinden. In einem nächsten Schritt wollen die Forscherinnen und Forscher im ersten Halbjahr 2022 eine Erkundungsbohrung in bis zu 1,5 Kilometer Tiefe durchführen. Neben geologischen Daten zum Untergrund untersucht das Wissenschaftsteam so auch die Potenziale der nutzbaren Wärmemengen. Die Bohrung wird aus EU-Mitteln und vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) gefördert. (av)

Bei EnArgus, dem zentralen Informationssystem zur Energieforschungsförderung, befindet sich unter anderem eine Datenbank mit sämtlichen Energieforschungsprojekten – darunter auch dieses Projekt.